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Freitag, 20. April 2018

Niemand hat Gott jemals gesehen. Wenn wir uns untereinander lieben, so bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollkommen. 1. Johannes 4,12

Als ich zum ersten Mal die Communaute de Taize besuchte, faszinierten mich Gebete, Gesänge und die Openair-Konzertatmosphäre. Genauso prägend aber waren die Bibelstunden. Lektüre war der erste Brief des Johannes. Ein Satz hat sich mir regelrecht eingebrannt: «Wenn wir uns untereinander lieben, so bleibt Gott in uns.»

Es war eine Offenbarung! Plötzlich schien mir alles so einfach. Als ob jemand in mir eine Türe geöffnet hätte und nun ein Licht aufstrahlte, das alles erhellte, was ich bisher geglaubt, gefühlt und gedacht hatte. So klar, so schlicht und so kurz ist das Evangelium!
Warum heißt es, Gott bleibt in uns? Weil Gott schon da ist. Und warum wird Gottes Liebe in uns vollkommen? Weil Gottes Liebe uns sucht und sich erfüllt, wenn sie uns findet und wir einander als Menschen sehen, die von Gott geliebt sind.

Natürlich ging ich in der Überzeugung nach Hause, ich sei auf dem Gipfel meiner Erkenntnis angelangt. Das Gefühl hielt ein paar Wochen an. Ich war auf dem Berg der Verklärung und würde zweifellos dort verweilen, wenn ich ein vollkommenerer Mensch wäre. War ich aber nicht, und andere waren es auch nicht. Das mit der Gemeinschaft der Liebenden schien mir auf einmal sehr theoretisch. Wer hat sie jemals gesehen?

Ich bin dennoch nicht im Tal der Tränen gelandet. Ich habe verstanden, dass seine Liebe in uns vollkommen ist und nicht wir in ihm vollkommen sind. Jedenfalls vorläufig so lange nicht, bis wir Gott sehen!


(
bt)

 

 

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