| "Wie entsteht der Glaube?" |
|
|
|
| Geschrieben von: Administrator |
| Donnerstag, den 17. März 2011 um 20:04 Uhr |
![]() Predigt von Tadeusz Prokop Nur vier Schritte zu Gott? Wie entsteht Glaube? Wir kennen es aus eigenen Familien, wie der religiöse Werdegang unterschiedlich ausfallen kann. In unserem unmittelbaren Umfeld erleben wir Menschen mit Gott, ohne Gott und manchmal auch gegen Gott. Bertrand Russel war ein britischer Philosoph und Mathematiker. 1950 hat er den Nobelpreis für Literatur bekommen. Das Christentum hielt Russel für ein Übel und eine Krankheit. Seine Tochter Lady Katherine Tait-Russel ließ sich nach langer Zeit des Suchens taufen. Gemeinsam mit ihrem Mann wurde sie eine eifrige Missionarin in Afrika. Ist Glaube nicht ein Geschenk? Haben nicht andere Reformatoren gelehrt, dass die Erlösung und das ewige Leben ganz und gar Gottes Werk sind? War es nicht Paulus selbst, diese geniale Hauptfigur der „jungen Religion“, der Gottes Handlungsfreiheit klarstellte indem er über Gott sagt: "Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig und dessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich" (Römer 9,14,ff.)? Hat Gott nicht alle Macht, nach seinem Willen zu handeln, Menschen zu berufen oder auch nicht? Sein Volk zu „verstocken“ und die Macht, diejenigen, die nicht dazu gehörten, zu seinen Kindern zu machen (Römer 9,19-29)? Gott will jedem Menschen Glauben schenken Allerdings können wir davon ausgehen, dass Gott jedem Menschen den Glauben schenken will. Es stimmt, dass Gott frei in seinem Handeln ist, wir Menschen sind aber keine Marionetten in seiner Hand. Wir sind seiner Willkür nicht ausgeliefert. Sollte Gott den Glauben demjenigen schenken, dem er will, wäre der Einsatz für das Evangelium sinnlos und man könnte darin keinen Zweck außer Selbstzweck erkennen. Außerdem erfahren wir in der Bibel, dass Gott den Menschen als sein Gegenüber schuf mit dem er eine Beziehung eingehen möchte. Gott will mit Menschen zusammen sein, sie kennen lernen und er hat einen Plan für sie. Er liebt sein Geschöpf bedienungslos und erwartet von ihm Liebe. Gott ist darum so leidenschaftlich bemüht, dass er - wie es in der Schrift heißt - auf unterschiedliche Art und Weise durch die Propheten gesprochen hat. Ganz zum Schluss hat er seine Absichten eindrucksvoll durch Jesus Christus mitgeteilt (Hebräer 1,1ff.) Wenn Gott den Glauben schenken will - und er will es - dann ist es demnach immer der Mensch, der diese Gabe annimmt oder zurückweist. Was sind die wesentlichen Hindernisse dabei? Hindernisse auf dem Glaubensweg Doch auch ein anderes Phänomen ist bei uns weit verbreitet: Viele Menschen würden gerne glauben, aber sie können es nicht. In ihrem Leben, meist in der Kindheit, ist im Bereich der Religion viel Schlimmes vorgefallen, das ihnen den Blick auf Gott auch heute noch trübt. Es gab viel Zwang und Gewalt, und jede Menge falscher Einstellung, unwahrer Informationen und schlechter Vorbilder. Und viele haben begründete Schwierigkeiten mit den Kirchen. Die neueste Vertrauens-Studie des Gallup-Institutes zeigt, dass die Affären der letzten Jahre, allem voran der sexuelle Missbrauch der Kinder für Kirchen gravierende Folgen haben. Auf der Werteskala zwischen 0 und 10 sind sie mit knapp 4 Vertrauenspunkten bei den Österreichern unten durch. Weniger als der Kirche wird nur noch der Politik Vertrauen geschenkt. Ist es dann so verwunderlich, dass Menschen echte Schwierigkeiten mit Glauben in christlicher Form haben? Das hat mit der Tiefenpsychologie viel zu tun und das Problem ist ernst zu nehmen ohne falsche religiöse Erhebung! Doch die meisten Schwierigkeiten mit dem Glauben sind ganz anders begründet. Ein alter Priester hat mir kürzlich eine seltsame Geschichte erzählt. Eines Tages wurde er ins Altenheim gerufen. Eine 94jährige Frau lag im Sterben. Aber vor lauter Angst konnte sie nicht sterben. Da legte sich der Priester behutsam auf das Bett, nahm die Hände der Frau, umarmte mit der anderen Hand den Kopf und begann leise die Lieder des Glaubens zu singen. Ganz langsam löste sich die Angst aus dem Gesicht der Frau, und es trat ein erlöstes Aufatmen ein. Während der Priester sang, schlief die Frau ein und ging von der Zeit in die Ewigkeit. Sie hatte das Gesicht eines glücklichen Kindes. Diese alte Frau hat es in ihrem Leben nie gelernt, Gott zu vertrauen. Sie ist damit nicht allein. Viele Menschen haben Angst Gott zu vertrauen und sie fürchten sich vor der existenziellen Hingabe an Gott. Sie denken, dass ihnen dadurch die Freiheit genommen wird und dass sie auf viel Gewohntes verzichten müssen. Glaube ist aber vor allem Vertrauenssache. Würde Abraham nur an ein höheres Wesen glauben, das es da oben geben muss, würde er nie seine Heimat verlassen und das Abenteuer einer Umsiedlung ohne Zielangabe nie riskieren. Geschenkten Glauben vertiefen und wachsen lassen Deshalb muss die Frage nach der Entstehung des Glaubens ohne klare Antwort auskommen. Worauf es aber ankommt, ist der Versuch, den geschenkten Glauben zu vertiefen und zu stärken. Im Sinne der Menschen, die Jesus gefolgt sind und ihn gebetet haben: „Herr, stärke unseren Glauben“. |
| Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 23. März 2011 um 13:51 Uhr |
![]() | Today | 18 |
![]() | Yesterday | 37 |
![]() | This Week | 227 |
![]() | This Month | 865 |
![]() | All Days | 25044 |