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"Zusammen glauben, feiern und beten?" (Apostelgeschichte 2,42) Gebetswoche für die Einheit der Christen 2011 Predigt von Tadeusz Prokop
Wir gehen anständig miteinander um Die Geburtskirche in Bethlehem übt auf viele Menschen eine starke Anziehungskraft aus. Vor allem in der Weihnachtszeit. Sie gilt als die älteste geweihte Kirche der Welt, die über der vermutenden Geburtsstätte Jesu eingerichtet wurde. Sechs christliche Konfessionen teilen sich diesen Bau. Vor allem in der Vergangenheit gab es regelmäßige Schlägereien unter Gottes Bodenpersonal, dem die Obsorge für diese heilige Stätte anvertraut wurde. Der Grund dafür waren unterschiedliche Glaubensrichtungen. Der Schlüssel zu dieser Kirche befindet sich seit einigen Generationen in der Hand eines Moslems, der auf diese Weise streitschlichtend unter den Christen wirkt.
Gott sei Dank gehören in unseren Breiten gewalttätige Spannungen unter den Christen der Vergangenheit an. Seit 1968 kommen Christen und Christinnen aus verschiedenen Kirchen zu einer Gebetswoche zusammen, um zumindest bei dieser Gelegenheit zu zeigen, dass diese Art der Vergangenheit längst überwunden wurde- dieses Mal unter der Überschrift: "Zusammen glauben, feiern und beten".
Ein Zusammen ist aber keine reale Erfahrung Ich muss zugestehen, dass ich dieses Mal etwas längere Zeit benötigt habe, um dieses Motto zu verinnerlichen. "Zusammen glauben, feiern und beten?". Das hört sich ja an wie aus einer anderen Welt. Es ist wie ein Prospekt auf Hochglanzpapier, das man am besten mit weißen Handschuhen angreifen sollte, um es nicht zu beflecken. Wie eine illustrierte Zeitung, die keinen besonderen Inhalt hat. Oder wie eine Postwurfsendung die zwecks mangelnder praktischer Verwendung im Papierkorb entsorgt wird. Dieses "Zusammen glauben, feiern und beten" bleibt trotzt einiger Fortschritte in der Annährung unter den Christen eine große Herausforderung und keine Wirklichkeit. Ist es nicht eher so, dass wir noch immer statt "Zusammen und Gemeinsam" eine Rangliste der "Wahrhaft Glaubenden" haben? Zuerst "Gläubige in unserem Sinne", dann je nach der Stallzugehörigkeit "Katholiken" oder "Evangelische", ihnen folgen bedingt durch die religiöse Struktur unseres Landes "Freikirchler" und zum Schluss sind die da draußen.
Die Jerusalemer Urgemeinde hält zusammen Und nun so ein Bericht aus der Urzeit des Christentums. Es fängt wie ein gutes Märchen an: "Es war einmal…die gute alte Zeit…Damals war's…im alten Jerusalem. In der Stadt Gottes. Kurz nach der Ausgießung des Heiligen Geistes. In der jungen Gemeinde herrscht Begeisterung. Denn der Herr ist im Geiste gegenwärtig und sorgt dafür, dass neue Anhänger scharenweise hinzu kommen. Dem Wachstum sind keine Grenzen gesetzt. Es herrscht Gütergemeinschaft, denn bald wird Jesus sichtbar kommen und alle, die irdische Güter angesammelt haben, werden es schwer haben, ihm entgegen zu treten. Die Gemeinde bleibt treu zur Lehre der Apostel und sie bleibt treu in der Lehre Christi. Sie wirkt wundersam in der Öffentlichkeit. Das Reich Gottes, das Jesus gepredigt hat wird plastisch vor Augen umgesetzt. Menschen sind überzeugt von den Idealen der Gruppe. Die solidarische Gemeinschaft, das Brechen des Brotes und das Gebet sind eine tägliche Erfahrung.
Seit damals sind Zweitausend Jahre ins Land gegangen. Ein weiter Weg von Jerusalem, über Rom und Wittenberg liegt hinter uns. Es waren auch gute Zeiten dabei, auch hin und wieder mit Enthusiasmus gefüllt. Meist war es aber eine schmerzliche und grenzwärtige Erfahrung. Und was hat man unterwegs daraus gemacht? Bei allen Unterschieden zwischen damals und heute muss man mit Staunen erkennen: wie einfach war das damals und wie mühsam ist das heute. Nüchtern betrachtet sind wir am Ende der Euphorie angelangt; Stagnation macht sich breit – zumindest in den säkularen Gesellschaften in Europa. Menschen verlassen in Scharen ihre Kirchen. Brot wird schon lange nicht mehr gemeinsam gebrochen. Die Christen des 21. Jahrhunderts sind der Trennung müde geworden.
Was uns auf dem Weg zur Einheit helfen könnte? Wir kennen den Zustand heute. Wie kann es aber weiter gehen? Sollten wir uns an die alten Zeiten erinnern und zu den Wurzeln zurückkehren? Die Christenheit zur Begeisterung und Erneuerung gemäß der Schrift auffordern? In der Hoffnung, dass dadurch unsere Not überwunden wird? Schön wär's, doch alte Zeiten kehren nicht zurück! Mag sein, dass es romantisch ist, an sie zu denken. Es ist aber müßig, ihnen hinterher zu trauen. Alte Zeiten kehren nicht zurück, aber Neues ist immer möglich. Alles ist wieder möglich, wenn wir daran glauben, dass wir die Kirche Jesu sind und dass Gott diese Kirche lenkt. Auf diesem Weg in die Zukunft gibt es gemäß der Schrift zwei Wegweiser.
Wir brauchen wie die Christen in der Urgemeinde die Pfingsterfahrung. Wir sollten uns dem Heiligen Geist öffnen, den Gott jedem Menschen versprochen hat.
Kennen sie den Witz von den Männern im Heißluftballon? – Sie fliegen im Ballon und haben plötzlich die Orientierung verloren, überall nur Wald. Da sehen sie auf einem Waldweg einen Mann laufen. Sie gehen etwas tiefer und brüllen hinunter: „Können Sie uns sagen, wo wir hier sind?“ Erstaunlich klar schallt es zurück: „In einem Heißluftballon!“ - Sagt der eine Flieger zum anderen: „Das war bestimmt ein Pfarrer!“ – „Wieso?“ – „Na, erstens hat er eine ganz laute Stimme, zweitens sagt er die Wahrheit, und drittens: nützt es uns überhaupt nichts.“ Bei aller Wertschätzung für Pfarrer, Superintendenten und Ratsvorsitzende, für Bischöfe, Kardinäle und den Papst und derer Rolle für die geistliche Leitung der Organisation "Kirche". Kein Christ wird dadurch von der Verpflichtung befreit, sich dem Wirken des Heiligen Geistes zu öffnen. Denn nur der Geist weht wohin er will und nur er kann uns die Frage beantworten "Wo sind wir Christen?", "Wo gehen wir hin?" Und was wir niederreißen müssen, damit der Weg ein gemeinsamer wird - bei aller Wertschätzung für unsere Verschiedenheit.
Der zweite Wegweiser auf dem Weg in die Zukunft ist das Schauen auf Jesus Christus. Im Neuen Testament, Im Hebräerbrief wird Jesus als der Priester nach der Ordnung Melchisedeks bezeichnet. Melchisedek, diese geheimvolle Figur, die Abraham begegnet, war weder Christ noch Jude, gehörte nicht zum auserwählten Volk. Er war Heide. Aber Jesus Christus ist der Priester nach der Ordnung Melchizedeks. Das ist ganz wichtig. Jesus kam um alle Grenzen der gegebenen Struktur aufzubrechen: Kirche, Synagoge, Tempel, Erwählte,…um Priester und Hirte aller Menschen zu sein. Katholiken, Protestanten, Freikirchler aber auch Atheisten.
Eine neue Kirche wird kommen Ja, die Kirchen von heute sind ganz anders als die Jerusalemer Urgemeinde. Sie liegen gerade im Sterben und sie werden definitiv sterben! Diese Art der Kirche ist an ihrem Ende angelangt. Wir können das beweinen und klagen wie schrecklich das ist, was für eine Katastrophe das ist. Aber es ist keine Katastrophe! Es ist ein Segen. Und es wird etwas Neues kommen. Eine neue Kirche, die komplett anders sein wird. Das können wir uns gar nicht vorstellen, es wird ganz anderes sein als das was wir kennen. Wie ein Kuss von zwei Verliebten, die zusammen glauben, feiern und beten.
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